Das Problem ist die Vorstellung einiger weniger "Monster". Tatsächlich haben sehr viele von uns schon mal Grenzen überschritten – mal aus Unwissenheit mal aus Ignoranz. Aufdringliche Sprüche, Machtgehabe, ungewollte Berührungen.
Um das Problem zu lösen, brauche wir einen offeneren Umgang mit sexueller Belästigung. Denn nur wer den Raum bekommt ohne Angst vor Repression offen zu sprechen und eigenes Verhalten zu reflektieren, kann Fehler eingesteht und sich ändern.
Auf dieser Plattform können wir als Täter anonym eigenes Fehlverhalten reflektieren – ohne Verurteilung, aber auch ohne Ausreden. Keine Rechtfertigungen. Kein Opfer-Bashing. Nur ehrliche Reflexion.
Dafür muss die gesellschaftliche Debatte aber auch unterscheiden lernen zwischen Jungs, die Grenzen noch nicht checken, Männern, die in toxischen Mustern gefangen sind – und tatsächlichen Straf- und Gewalttätern. Ohne das eine zu normalisieren oder das andere zu bagatellisieren.
Zeig, dass du dazulernst. Zeig, dass es dich gibt.
Zeig, wie wir weniger werden wollen.
"Nur durch Ehrlichkeit über unser eigenes Verhalten können wir Teil der Lösung werden, statt weiterhin Teil des Problems zu sein."
„Mit 19 habe ich einer Frau hinterhergerufen: ‚Hey Süße, zeig mal Lächeln!' Sie hat mich ignoriert, aber meine Kumpels fanden es lustig. Erst Jahre später checke ich: Das war kein Flirt, sondern Belästigung. Heute würde ich schweigen – oder besser: ehrlich fragen, ob sie Bock auf ein Gespräch hat."
„Nach dem dritten Treffen dachte ich, Sex sei jetzt klar. Als sie nein sagte, habe ich genörgelt: ‚Du hast mich doch heiß gemacht!' Erst später begriff ich: Nein heißt nein – Punkt. Heute würde ich respektieren, statt Druck zu machen."
„In der WhatsApp-Gruppe meiner Jungs habe ich über eine Kollegin gesagt: ‚Die steht bestimmt auf Chef-Ranking.' Als sie davon erfuhr, war sie zutiefst verletzt. Ich habe es als ‚harmlosen Spaß' abgetan – dabei war es Machtgehabe."
„Auf einer Party hat sie mich vorher angeflirtet, aber als sie stark betrunken war, habe ich sie einfach geküsst. Sie wirkte überrascht, aber nicht abweisend. Heute weiß ich: Nüchterner Konsens ist Pflicht. Selbst wenn sie ‚vielleicht' zugestimmt hätte – betrunken heißt nein."
„Die Tanzfläche war voll, aber ich habe extra ihren Körper berührt – angeblich ‚aus Versehen'. Sie ist weggegangen. Damals habe ich mir eingeredet, sie sei ‚zickig'. Heute schäme ich mich für dieses Anspruchsdenken."
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu unserem Ansatz.
Platt gesprochen: Männer reden nicht offen über ihr Fehlverhalten, wenn alles von Vergewaltigung bis zum Spruch zu viel in einen Topf geworfen wird. Selbstoffenbarung ist aber der erste Schritt das eigene Verhalten zu hinterfragen. Deswegen braucht es einen Raum zur Selbstreflexion ohne Verurteilung – langfristig in der Gesellschaft und kurzfristig auf dieser Plattform. Letztendlich mit dem Ziel, die Situation für Betroffene zu verbessern und sexualisierte Übergriffe in unserer Gesellschaft zu reduzieren.
ich-war-täter.de will den Blickwinkel auf die Ursachen sexueller Übergriffe verändern, indem es einen Gesprächsraum öffnet. Unser Standpunkt: Dass so viele Frauen von übergriffigem Verhalten berichten aber so wenige Männer etwas getan haben wollen, hat eine entscheidende Ursachen: In der aufgeheizten Debatte haben wir als Gesellschaft verlernt sachlich über sinnvolle Grenzen zu diskutieren. Informieren über Grenzen, gegenseitiges Verständnis und Austarieren von Standpunkten ist aber der einzige Schlüssel zur Veränderung.
Nein. Wir sagen klar: Auch "kleine" Übergriffe verletzen. Aber nur wer sie benennt, kann sie stoppen. Fehlende Differenzierung wiederum schafft nur eine Atmosphäre, in der Männer sich ihrem eigenen Fehlverhalten immer schwerer stellen können. Genau das soll diese Plattform angehen.
Sichtbarkeit. Jede Beichte hier beweist: Das Problem sind nicht 'einige Monster', sondern unser aller Blindheit. Natürlich ist das wichtigste, Betroffene selbst zu Wort kommen zu lassen. Dabei zeigen sich aber oft systemische Ursachen. Diese Plattform geht also einen Schritt weiter, und versucht einen ersten Schritt zu gehen, dieses System der Allgegenwärtigkeit und des Schweigens zu ändern. Durch Transparenz und Selbstreflexion auf Täter- statt auf Opferseite.
Anonymität schützt nicht Täter, sondern ermöglicht Ehrlichkeit. Opfer haben Namen – Täter haben Verantwortung.
Nein. Das hier ist vor allem Sichtbarmachung und ein kleines bisschen Selbsttherapie – kostenlos, anonym, aber ohne Absolution. Professionelle Täterberatung verlinken wir.
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